„Claras Traum – oder: Das Kleid in der Hand“

Ein komisch-tragischer Reigen um Verrat und Eifersucht für 149 Strumpfhosen, Plattenspieler, Staubsauger, Matratzenfüllung und eine Spielerin
frei nach E.T.A. Hoffmanns Nachtstück „Der Sandmann“

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Inhalt

Clara wartet auf ihren Bräutigam Nathanael. Warum kommt er nicht und wer ist dies Olimpia, von der er in seinem Brief so seltsam ausführlich erzählt? Claras Mißtrauen wächst. Der Alptraum einer verlassenen Frau, die Angst um ihre Liebe, Zorn und Einsamkeit nehmen Gestalt an: die Gestalt ihrer Rivalin Olimpia. Inspiriert von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“, einer Geschichte der unglücklichen Liebe des Studenten Nathanael zu Olimpia, der vermeintlichen Tochter seines Professors, die sich schließlich als „Automat“ entpuppt, setzt Ulrike Andersen die Tragik einer Eifersucht ins Bild – aus der Sicht der betrogenen Clara. In einer Schauersymphonie verbinden sich Realität und Phantasie – ironisch, unheimlich, zärtlich. E.T.A. Hoffmann verfaßte seine Erzählung „Der Sandmann“ um 1815 und veröffentlichte sie in seiner Sammlung „Nachtstücke“, um ein Bild seelischer Vorgänge und nächtlicher Angstträume zu zeichnen. Bekannte Dinge erscheinen plötzlich in einem neuen Licht – Unbelebtes wird lebendig, Vertrautes wird feindlich…

  • Idee, Ausstattung und Spiel: Ulrike Andersen
  • Technik: Holger Elias
  • Soundeffekte: Michael Knoedgen
  • Regie: Sigrun Kilger (Materialtheater Stuttgart) und Werner Knoedgen (Hochschule Stuttgart)
  • Assistenz: Anja Noetzel
  • Fotos: Lucia Simons
  • Dauer: ca. 60 Minuten ohne Pause

Pressestimmen

„Ein geheimer Glanzpunkt es ‚jungen Forums‘ war die intelligente Psychostudie „Claras Traum – oder: Das Kleid in der Hand…“ Hier präsentierte Ulrike Andersen ein eigenes Nachtstück, durchaus in Callots Manier: Fortführung und Rekonstruktion von E.T.A. Hoffmanns Sandmanngeschichte aus der emanzipierten Perspektive einer Figur. Mit einem Strumpfhosenballett zu Walzerklängen als Hintergrund sah man den Alptraum einer verlassenen Frau, deren Verlobter von einem Automaten verführt wurde und in die Fänge zunehmenden Wahnsinns geriet. Eine Schauersymphonie aus Musik und Tanz, die eine literarisch anspruchsvolle Vorlage kongenial in außergegöhnliche Mittel des modernen Figurentheaters umsetzt. Mit Puppen aus Strumpfhosen und Buchweizenstreu sowie einigen außer Kontrolle geratenden Alltagsgegenständen wird subtil gezeigt, wie eine Frau menschliche Grenzerfahrungen verarbeitet.“ (Erlangener Nachrichten)

„…Die Spielerin tritt im Unterrock auf, den sie später der Puppe überziehen wird, sie bewegt sich zu Walzerklängen,… nimmt die Strumpfhose von der Leine, … verstreut die aus dem Schrank herausquellenden Hosen…, läßt sich auf eine Matratze fallen, und plötzlich beginnt sie zu spielen, indem sie ganz einfach Strümpfe über die Hände und Arme zieht und zwei Figuren miteinander ins Gespräch bringt. Das ist so schlicht wie wirkungsvoll… ein stummes, abbrechendes Liebeswerben. Präzise und raffiniert ist auch die Puppe, die Ulrike Andersen im Spiel entstehen läßt: Sie füllt eine Strumpfhose mit Sand, sie legt sich die langbeinige Gliederpuppe an den Körper, zieht ihr rote Schuhe an, sie hängt sie auf die Leine, sie zerrt an den Beinen und zeigt in den großen Bewegungen des gefügigen Materials die untergründige Aggressivität der verlassenen Clara…, die ihre Aggressivität gegen die schöne Konkurrentin, die „Puppe“ herausläßt und von der eigenen Angst begraben wird.“ (Nordsee-Zeitung Bremerhaven)